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Die Bedeutung von Geschenken in China

In China gibt es das Sprichwort „ein kleines Geschenk hat eine große Bedeutung“ (礼轻情意重). Da in der Volksrepublik Fragen der Etikette sehr wichtig sind, stellten Geschenke schon immer einen bedeutsamen Faktor im sozialen Miteinander dar. Ob beruflich oder privat – Geschenke spielen eine wichtige Rolle im chinesischen Alltag. Durch das gegenseitige Beschenken lassen sich Beziehungen stärken. Und da gute Beziehungen in China entscheidend sein können, machen die Chinesen sich gegenseitig gern und oft Geschenke.

Gelegenheiten zum Schenken und beschenkt werden gibt es genug. So beschenken sich Chinesen gern an Festen, wie zum Beispiel dem Frühlingsfest (das chinesische Neujahr), zum Drachenbootfest, Mondfest und anderen Feiertagen. Ähnlich wie im Westen werden natürlich auch an Geburtstagen, anlässlich von Hochzeiten und zu bestimmten Gedenktagen Geschenke gemacht. Weiteren Anlass für bedeutsame kleine Geschenke bieten wichtige Kundenbesuche. Mit all diesen Geschenken wurden allein im Jahr 2017 mehr als eine Billion Renminbi umgesetzt – das sind rund 126.695.000,00 Euro (Wechselkurs November 2018).

Das Ritual des Schenkens

Im chinesischen Alltag wird das Schenken wie ein Ritual gepflegt und dient vor allem dazu, Beziehungen zu erhalten. Ganz wichtig dabei: das Schenken muss erwidert werden. Denn jeder Chinese weiß, dass das Nehmen von heute ein Zurückgeben in naher Zukunft zur Folge haben muss. Wer jemanden beschenkt, erwartet dafür ganz selbstverständlich ein späteres Gegengeschenk. Auch eine Einladung zum Essen beinhaltet, dass in absehbarer Zeit eine Gegeneinladung erfolgt.

Dies ist in Deutschland anders – hier wird eine Einladung oder ein Geschenk als Entscheidung „aus freien Stücken“ betrachtet. Obwohl auch hierzulande aus Gründen der Höflichkeit solche Gesten oft in der der ein oder anderen Form erwidert werden, ist das Schenken keineswegs ritualisiert. Da diese Geste nicht erwidert werden „muss“, achten Deutsche nicht mit so großem Ernst auf die Balance zwischen Geben und Nehmen wie es Chinesen tun. Chinesen, die bereits längere Zeit in Deutschland leben, kennen dieses Umstand, doch gegenüber einem Geschäftspartner aus China könnte das Ausbleiben eines adäquaten Gegengeschenkes für einige Verstimmung sorgen.

Im Vergleich zu Deutschen verhalten Chinesen sich auch eher zurückhaltend, wenn sie ein Geschenk entgegennehmen. Selten wird das Geschenk gelobt, tatsächlich wird oft nicht einmal die Verpackung geöffnet. Dies gehört zu den ungeschriebenen Gesetzen chinesischer Höflichkeit und Bescheidenheit. Das Geschenk wird später allein geöffnet, der Geldwert zu Kenntnis genommen und bereits geplant, welchen Wert ein vergleichbares Gegengeschenk haben sollte. Hinter diesem Verhalten steckt auch das chinesische Prinzip, Gesicht zu wahren und Gesicht zu geben. Beim „Gesicht“ handelt es sich vor allem um den Respekt, der einem Menschen in der Gesellschaft entgegengebracht wird. Also ist der Schlüssel bei der Wahl eines guten Geschenks, dem Beschenkten durch dessen Wert Gesicht zu geben und durch diese Geste für sich selbst Gesicht zu gewinnen.

Wichtige Regeln für Geschenke in China

Der Geldwert eines Geschenks ist wichtig, doch bei weitem nicht der einzige Faktor für ein gelungenes Geschenk. Da die Chinesen durchaus abergläubisch sind und auf verschiedene Symbole und unterschwellige Bedeutungen achten, möchten wir Ihnen hier einen einfachen Leitfaden zu den wichtigsten Regeln für die Auswahl von Geschenken im Reich der Mitte an die Hand geben.

1. Die Farbwahl eines Geschenks

  • Rot gilt in China ganz allgemein als glückbringende Farbe. Nicht umsonst ist auch die chinesische Nationalflagge in dieser Farbe gehalten.
  • Werden Geldgeschenke gemacht, bspw. an Hochzeitspaare oder als Mitarbeitergeschenke, werden die Geldscheine häufig in einem „Hong Bao“ 红包 („Rotes Etui“) – also in einem roten Briefumschlag überreicht.
  • Noch ein Beispiel zur Farbe Rot: In China wird Rotwein um ein Vielfaches mehr verkauft und getrunken als Weißwein. Das liegt tatsächlich nicht am Geschmack, sondern an der Farbe.
  • Gold und Silber sind ebenfalls Farben, die mit Reichtum assoziiert werden und daher für Geschenke beliebt sind.
  • Schwarz und Weiß sind traditionelle Trauerfarben und daher unpassend für die meisten Geschenke.
  • Wird die Farbe Grün in Verbindung mit dem Geschenk einer Mütze oder eines Huts verbunden – also zum Beispiel eine grüne Mütze verschenkt, ist das eine schwere Beleidigung. „Eine grüne Mütze“ oder „einen grünen Hut tragen“ bedeutet nämlich, dass der Lebensgefährte fremdgeht.

2. Die Bedeutung von Zahlen für Geschenke

  • Die Chinesen glauben an das Sprichwort: „Gute Dinge kommen immer zu zweit“ 好事成双. Deshalb werden grundsätzlich gerade Zahlen bevorzugt. Das gilt besonders bei Hochzeiten.
  • Eine Ausnahme bildet die Zahl 4, da deren Aussprache wie „tot“ klingt.

3. Tiersymbole in chinesischen Geschenken

Nicht nur in der chinesischen Astrologie spielen Tiersymbole eine große Rolle. Sie können auch für die Bedeutung von Geschenken berücksichtigt werden.

  • Fisch 鱼: das Wort klingt wie „mehr als genug“ und ist daher ein beliebtes Geschenk-Symbol.
  • Pferd 马: das Pferd steht in Verbindung mit der positiven Energie des Erfolgs 马到成功.
  • Eule 猫头鹰: dieses Tiersymbol gilt zwar in Europa als Zeichen von Weisheit, bringt in China jedoch Unglück.
  • Schlange 蛇: sie wird als bösartig betrachtet.

4. Glücksbringer

Hier einige Geschenkbeispiele, die beim Verschenken als Glücksbringer angesehen werden.

  • Apfel 苹果: das Wort klingt wie „Frieden“.
  • Mandarine 橘子: das Wort klingt wie „Glück“ und die Frucht wird vor allem in südchinesischen Provinzen wie Kanton oder Fujian als Glücksbringer angesehen.
  • Pomelo 柚子: gilt in Südchina ebenfalls als Glücksbringer.
  • Lilien 百合花: ihre Aussprache klingt wie „alles harmonisch“, weshalb Lilien sich besonders als Geschenk für ein Paar eignen.
  • Elster 喜鹊: sie ist ein traditionelles Glückssymbol.
  • Granatapfel石榴: diese Frucht ist traditionell ein Symbol für „nachwuchsreich“.

Übrigens: Bei chinesischen Hochzeiten findet häufig eine Zeremonie statt, bei der das Ehebett mit Datteln枣, Erdnüssen 花生,getrockneten Longanen 桂圆 und Lotus-Samen 莲子 bestreut wird. Zusammengenommen stehen diese Gaben für 早生贵子, was bedeutet, dass das frisch vermählte Paar bald Nachwuchs bekommen wird.

Tabus – welche Geschenke in China vermieden werden sollten

Verschiedene Gegenstände oder Früchte sollten auf gar keinen Fall an chinesische Freunde oder Geschäftspartner verschenkt werden, da sie mit sehr schlechten Assoziationen oder Wortbedeutungen verbunden sind.

 

 

 

  • Messer 刀, Schere 剪 und Schwert剑 gelten als Unglücksbringer, wenn sie verschenkt werden.
  • Schuhe 鞋 bringen böse Energie mit sich. Übrigens kennen wir auch in Deutschland vielerorts Aberglauben, der mit dem Schenken von Schuhen zusammenhängt.
  • Wanduhr钟: ihre Aussprache klingt wie „Ende“.
  • Regenschirm伞: das Wort hört sich an wie „auflösen“.
  • Birne梨: die Aussprache klingt wie „trennen“.
  • Pflaume 李/梅: im Norden Chinas wird die Pflaume wie „trennen“ ausgesprochen, im Süden klingt es dagegen wie „Pech“.

Regionale Sitten und Tabus beim Schenken in China

China ist ein riesiges Land. Dementsprechend unterscheiden sich viele Sitten und Gebräuche je nach Region. So gelten in Hongkong bspw. folgende Geschenke als Tabu:

  • Jasmin 茉莉: dieses Wort klingt wie „ohne Gewinn bleiben“.
  • Gladiole 剑兰: in der Aussprache klingt es wie „Schwierigkeiten begegnen“.
  • Bücher 书: klingt wie „verlieren“.

In Taiwan wiederum wurden in früheren Zeiten nach Trauerfeiern Schnupftücher an die Gäste verteilt. Deshalb ist es bis heute Tabu, in Taiwan Schnupftücher zu verschenken.

Fazit: Chinesen mit Bedacht beschenken

Die chinesische Sprache und ihre Symbole und Klänge haben große Auswirkungen darauf, wie Geschenke wahrgenommen werden. Gleichzeitig ist das Schenken an sich als gesellschaftliches Ritual tief verwurzelt. Wer in China geschäftliche Kontakte knüpfen möchte, sollte sich also bewusst sein, dass der Austausch gleichwertiger und symbolträchtiger Geschenke ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses ist.

Natürlich entwickelt sich auch die chinesische Gesellschaft mit den Einflüssen der Moderne und der heutigen Globalisierung immer weiter. Viele der traditionellen Sitten haben deshalb nicht mehr soviel Einfluss auf die jüngere Generation. Junge Chinesen – vor allem solche, die bereits längere Zeit in Deutschland oder anderen westlichen Ländern verbracht haben – werden Ihre Gaben deshalb weniger kritisch betrachten und es Ihnen nachsehen, wenn Sie auf ein Geschenk nicht mit einem gleichwertigen Gegengeschenk antworten. Doch kennen auch die jungen Chinesen noch die alten Traditionen ihrer Heimat und werden es wohlwollend zur Kenntnis nehmen, wenn auch westliche Freunde und Business-Partner diese respektieren.

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